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     LSVD Vs. Dancehall-Artists  
     Vom Ex-Kanzler lernen!  
  Text von Markus Gehrke  
 

Mit großem Interesse habe ich sowohl in meiner Funktion als Agent für viele Reggaekünstler als auch direkt als beauftragter Rechtsanwalt die völlig unangemessene Kampagne des LSVD e.V. gegen den Reggaeartist Buju Banton sehr aufmerksam verfolgt.Auch die sehr interessante und umfangreiche Berichterstattung im Riddim kann hier im Rahmen einer Nachbetrachtung nicht unberücksichtigt bleiben.

Festzuhalten bleibt, dass wir offensichtlich ein Land oder vielmehr ein Volk sind, welches sich von Interessenverbänden und folgewilligen Politikern führen lässt; denn einen wirklichen Clash zwischen Homosexuellen, Reggaefans, DanceHallArtists gibt es in Deutschland gar nicht. Das zeigt sich schon daran, dass zu keiner Demonstration trotz zahlreicher und öffentlichkeitswirksamer Aufrufe mehr als eine handvoll Demonstrierender gekommen wären. Was es wirklich gibt ist eine Art CyberWar !

Mit publizistisch perfekt organisierter übler Nachrede ist es dem LSVD e.V. gelungen, Politiker verschiedenster Parteien davon zu überzeugen sich vehement für ein Auftritts- und somit Berufsverbot “des Menschenfressers“ Buju Banton einzusetzen.

Ein Einsatz der sich für alle lohnt ?!Der LSVD erhöht den Druck auf die jeweiligen Veranstalter und der Politiker war noch einmal kurz als Unterstützer für Recht und Freiheit der homosexuellen Minderheit in der bundesweiten Tagespresse. Offensichtlich haben alle Beteiligten dabei übersehen, dass so ganz nebenbei auch unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung darunter gelitten hat.Die Hintergründe, das Wer, Wie, Was, Warum spielt keine Rolle. !Wozu auch?

Entweder hat man die Showabsage hingekriegt oder eben nicht. Morgen interessiert es ohnehin niemanden mehr. Politik und Lobbyarbeit Hand in Hand für die eine kurze Schlagzeile. Da müssen geschützte Werte wie Kunstfreiheit und Meinungsfreiheit schon einmal in den Hintergrund geschoben werden. Lasst uns doch noch ein paar hundert Planstellen für Staatsanwälte schaffen, damit man endlich mal komplette Musikkataloge fremder Kulturen übersetzen und auf innerstaatliche strafrechtliche Unbedenklichkeit prüfen kann oder noch besser lasst uns alle Texte prüfen und die Veröffentlichung und/oder den Vertrieb von Musikstücken nur noch nach staatlicher Unbedenklichkeitsbescheinigung zulassen. Abgesehen von einigen politisch motivierten Ausfällen, welche u.U. den Schutz der Kunstfreiheit zu Unrecht genießen, wird sich stets zeigen, dass der Markt sich selbst reinigt. Buju Banton wäre heute ein international völlig unbedeutender und vermutlich geächteter Künstler, wenn er seit 1992 immer wieder durch homophobe Texte in Erscheinung getreten wäre. Er hat es wohl selbst erkannt, so wie es hoffentlich andere auch irgendwann erkennen werden.Was aber sollen Künstler, Agenten, Tourneeveranstalter, örtliche Veranstalter und Hallenbesitzer daraus lernen. Wie kann man in diesem Umfeld überhaupt noch DanceHall Artists veranstalten ?Die Antwort ist bestechend einfach: "Aussitzen".

Es hat sich gezeigt, dass überall dort, wo die Veranstalter gar nicht oder nur wenig reagiert haben, letztlich auch die Show stattgefunden hat. Zudem hat das Experiment Bremen gezeigt, dass der LSVD e.V. einen echten Dialog nicht wünscht. Die Politiker schon gar nicht. Und die Presse wird das Thema irgendwann auch nicht mehr interessieren, zumindest dann nicht, wenn es keine Absagen mehr gibt.Es ist nunmehr Sache der Künstler und Ihres jeweiligen Managements Agenten zu finden, die sich von unsinnigen Anschuldigungen und Drohgebärden nicht beeindrucken lassen. Aufgabe der Agenten ist es nationale Tourveranstalter auszuwählen, welche über genug Fingerspitzengefühl verfügen, diejenigen örtlichen Veranstalter auszuwählen, welche wissen was auf sie zukommt und bereit sind das Ganze auszusitzen.

 
     
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Text von Markus Gehrke

Dieser Artikel erschien in RIDDIM 01/05

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