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     Riddim Soundclash  
     All About The Music  
  Text von Ellen Köhlings & Pete Lilly  
  „You want to disrespect me and tell me I’m playing a fucking 45? Who do you think I am, some bwoy? You say that Supercat is a 45? Hear this!“

Ein ungewohnt echauffierter Rodigan pfeffert eine CD in den Player und liefert den Beweis.

Da hat sich eben jemand sein eigenes Grab geschaufelt. Es ist Ehrensache, dass der Rudeboy Gentleman, der seit fast 30 Jahren im Geschäft ist, im Clash keine 45 spielt. Das hätte sich auch Killer B von LP International denken können, der mit seinem lockeren Mundwerk noch mehrmals übers Ziel hinausschoss. Etwa, als er Rodigan vorwarf, er würde Deutschland nicht genügend Respekt zollen, obwohl er doch dort geboren sei. Wenn man dem Engländer eins nicht vorwerfen kann, dann dass er sich nicht genug um seine deutsche Massive kümmert. Auch den Vorwurf, Rodigan hätte zu viele Jahre auf dem Buckel, um sich noch in der Clash-Arena zu tummeln, konnte er souverän mit Cocoa Tea’s „Soundboy, won’t you go home to your nana, you’re too young to be a selector“ parieren.

Zugegeben, die Massive von über 1.500, die am 4. November aus allen Teilen Deutschlands und dem benachbarten Ausland zum Riddim Soundclash 2006 nach Düsseldorf ins Stahlwerk gereist war, war voreingenommen. Sie hatte den späteren Sieger schon mit einem Forward bedacht, als der noch keinen einziges Dub Plate gespielt, noch kein einziges Wort gesagt hatte. Doch letztlich hat Rodigan die Vorschusslorbeeren mehr als bestätigt, er war seinen Kontrahenten LP International und Bass Odyssey fast durchgehend überlegen. Sei es im New Tune-Segment mit einem Custommade von Collie Buddz, das den größten Forward des Abends einstrich, oder mit seinen Klassikern von Phyllis Dillon, Prince Buster, Supercat, Tenor Saw etc. Dazu seine agilen, zum Teil pantomimischen Tanzeinlagen, die noch einmal betonten, mit welcher Leidenschaft dieser Mann seinen Job verrichtet. Von den Gesangseinlagen ganz zu schweigen, mit denen er seine Gegner brüskierte: „Skylarking, LP you are skylarking, that is what some ol’ drum pan a do“.

Und bei aller Ungerechtigkeit bei der Verteilung der Sympathien müssen sich LP und Bass Odyssey vorwerfen lassen, selbst nicht genug für ein besseres Abschneiden getan zu haben. So verscherzten es sich die in allen Prognosen weit führenden Mark und Worm von Bass Odyssey direkt in der ersten Runde, als sie die Massive statt mit New Tunes, wie man es von einem World Champion erwartet hätte, mit durchgenudelten Tunes von vor zwei Jahren abspeisten. Zwar konnte Strahlemann Worm mit Klettereinlagen und viel Charme einige Punkte sammeln, doch gelang es dem Sound aus St. Ann viel zu selten, seine Publikumsgunst mit Tunes zu untermauern. Da konnten auch zwei (umstrittene) Jimmy Cliff-Plates im Dub Fi Dub nichts mehr retten.

Ganz anders Vorjahressieger LP International, der berüchtigt ist für seine tiefe Box, die er durchaus hat sprechen lassen. Neben den für die New Yorker obligatorischen Dennis Brown- und Garnett Silk-Tunes waren das vor allem ein exzellentes Custommade von „Rivers Of Babylon“ der Melodians, zwei Delroy Wilsons und eine Dennis Brown/U-Roy-Combination. An den Plattenspielern machten Puma & Co. nichts falsch, ihre dritte Runde, die beste des Abends, konnten sie sogar komplett für sich verbuchen. Doch es haperte erheblich am Mic. Gegen die Fauxpas von Killer B konnte auch der seit zehn Jahren erstmals reaktivierte Stereo Fish nichts ausrichten. Der erste Auftritt des Biltmore-Veteran in der zweiten Runde wurde zwar dramatisch inszeniert, verpuffte aber wirkungslos, als er wortlos rauchend über die Bühne stolzierte, statt seinen Gegnern einzuheizen. Auch ein Angriff gegen den Bass Odyssey-MC, welche Frau schon mit einem Mann namens Worm ins Bett gehen wolle, ging nach hinten los, als der Attackierte mit der jamaikanischen Bedeutung von Fish konterte.

Auch wenn selten Spannung aufkam, da der Sieger den Abend fast von Anfang bis Ende dominierte, war der RIDDIM Clash ein großes Vergnügen für jeden Sound-Liebhaber, boten sich ihm doch jede Menge Dub Plates, die so in Kontinentaleuropa noch nie zu hören waren. Und genau das war es, wofür mancher viele Dancehall-Kilometer auf sich genommen hatte: die Musik!

David Rodigan: „An diesem Abend stand definitiv die Musik im Mittelpunkt, das konnte man deutlich spüren. Es war eine unglaubliche Nacht, die ich so schnell nicht vergessen werde. Die Leidenschaft des Publikums für die Musik war überwältigend – und das gilt natürlich genauso für die Musik von die LP und Bass Odyssey. Mir hat es unglaublichen Spaß gemacht, die Songs aufzulegen, die ich selbst am meisten liebe. Genau deswegen bin ich angetreten: um meinen Spaß zu haben und meine Liebe für die Musik mit einem deutschen Publikum zu teilen, von dem ich ja schon seit Jahren weiß, wie leidenschaftlich es ist, wenn es um Reggae geht. Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Crowd voreingenommen war; ich denke, sie waren sehr fair. Und ehrlich gesagt habe ich im Leben nicht damit gerechnet, dass ich einen Sound wie Bass Odyssey schlagen könnte. Aber manchmal laufen die Dinge aus den unterschiedlichsten Gründen anders, als man denkt und beim RIDDIM Clash 2006 lief es sehr gut für mich. Dafür bin ich sehr dankbar.“

RIDDIM bedankt sich bei David Rodigan, LP International und Bass Odyssey, den Hosts Spider & Dr. Ring-Ding, Rainbow Warrior und Backra für’s Warm Up sowie der gesamten U-Club Crew für die Durchführung.

 
     
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Text von Ellen Köhlings & Pete Lilly

Dieser Artikel erschien in RIDDIM 01/07

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