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Zürich im Winter 2004: In einer betonierten Halle mit gezimmerter Bar spielen mehrere Sounds auf. Es ist ein interessanter, aber aber nicht weltbewegender Dance, als ein Sound schon vom ersten Tune die Leute für sich einnimmt und zum Tanzen animiert. Binnen kürzester Zeit flackern erste Feuerzeuge auf, das Publikum jubelt. MC, Selector und Operator spielen im perfekten Flow miteinander und die Menge feiert mit. Das war das erste Mal, dass mich Baddis Sound aus Luzern mit ihrem dynamischen Juggling begeistert haben. Frontmann Herbal Q erzählt mir in einem Büro eines Zürcher Plattenladens über Vergangenheit und Gegenwart von Switzerland's baddest Crew. „Mit ungefähr elf Jahren ist mir eine Kassette in die Finger gekommen, wo auf einer Seite Bob Marley war. Ich fand den Sound extrem cool und habe sie dann nur noch gehört. Das war noch in den 70er Jahren.“ Erstaunlich jugendlich für eine solche Zeitangabe lehnt Herbal Q in lockeren Jeans und Sweater am Schreibtisch und berichtet über seine ersten Erfahrungen mit Reggae: Wie er 1982 bei einem Konzert von Toots & The Maytals eine Anzeige für eine Reggae-Band entdeckte und darüber erstmals Gleichgesinnte fand, mit denen er die heute legendäre Band The Ganglords gründete: „Wir haben uns immer einmal in der Woche getroffen, unser Proberaum war in einem alten Gefängnis, bei dem die Wände zwischen den Zellen durchgetrennt waren.“ 1988 flog er zum ersten Mal nach Jamaika, wo die Band ein Jahr später sogar zusammen mit Steelie & Cleevie im Studio standen. „Ein Highlight war sicherlich eine Show 1994 in Portmore mit Lady Saw, Ghost, und General B, bei der wir das Backing machten und richtig gut ankamen“, schwelgt der Keyboarder in Erinnerungen. Gegen Ende der 90er zogen sich die Ganglords von der Bühne zurück und Herbal Q legte vermehrt als DJ bei Partys auf. Neben Herbel Q besteht Baddis aus vier weiteren Mitgliedern: Selecta Minista begann in den 90ern als HipHop-DJ. Seine Skills und gekonnten Übergänge verschafften ihm schnell einen guten Ruf in der deutsch-schweizer Szene. Trin-T stammt aus Trinidad & Tobago und sieht seine Rolle im Sound als Botschafter für Soca. Operator 3-Star hat mit seinen zahlreichen Tattoos eine dem namensgebenden Klappmesser ähnlich scharfe Ausstrahlung und ist Spezialist für Dancehall aus den 90ern. Rap-E war vor Baddis ebenfalls HipHop-DJ und trat zusammen mit Herbal Q auf.  In dieser Besetzung traten die fünf zum ersten Mal im Sommer 2000 bei einer Party in Luzern auf. Es war Herbal Q, der den anderen die Idee von einem Sound System schmackhaft macht, so dass der Sound offiziell mit einem großen Dance im Juni 2001, zu dem sie Pow Pow aus Köln nach Luzern einluden. 2002 zog es die gesamte Crew zu Trin-Ts Familie zum Carnival nach Trinidad mit einem Abstecher nach Jamaika zum Voicen der ersten Dub Plates, dem Grundstein einer sehr sorgfältig und kreativ aufgebauten Dub-Box.„Wir voicen nur Artists, von denen wir wissen, dass sie stimmlich fit sind und sich im Studio Mühe geben“, erklärt Herbal Q seine Richtlinie. Zu bekannt sind Geschichten über Dubs von schlechter Qualität, für die oftmals ein beträchtlicher Stapel Scheine den Besitzer wechselt. Da jedes Mitglied einen regulären Job hat, kann das eingespielte Geld direkt in den Sound reinvestiert werden. „Die Gagen in der Schweiz sind nicht höher als in Deutschland. Jedoch denke ich, dass die Löhne hier höher sind und wir uns dadurch vielleicht Dubs eher leisten können“, klärt der MC ein altes Gerücht über eidgenössische Traum-Gagen auf. Bisher konnten Baddis nur einmal ihr Talent als Soundkiller erfolgreich unter Beweis stellen – 2005 bei einem 45 Shoot-Out gegen den damals amtierenden Swiss Cup-Gewinner Ruff Pack. Seither hat sich keine Gelegenheit für einen richtigen Dub Plate-Clash geboten. „Ich denke schon, dass unsere Box tief genug ist“, zeigt sich der Baddis-Vertreter jeder Herausforderung gegenüber offen. „Aber die Schweiz hat noch keinen wirklichen big Sound.“ Doch das Potential ist vorhanden! Dates und weitere Infos zu Baddis unter www.baddis.ch. |
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