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20.10.2008 - Letzten Samstag fand der jährliche RIDDIM CLASH unter dem Motto „War Over Europe“ im E-Werk in Köln statt. Nachdem es letztes Jahr hitzige Debatten über den Verlauf des Sound-Kriegs und Kritik am Regelwerk gab, verlief in diesem Jahr alles wie am Schnürchen. Eine 1.500 Männer und Frauen starke internationale Massive wurde Zeuge eines anspruchsvollen und unterhaltsamen Dub Plate-Gemetzels. Um 22.00 Uhr öffneten sich die Pforten vom Kölner E-Werk. Während die Hamburger Silly Walks Discotheque das Warm Up bestritten, strömten die ersten Reggae-Heads herein. Zunächst schien die Halle etwas leer, doch nach der Ankunft der Busse aus Belgien, Frankreich und Detmold änderte sich dies schlagartig. Nach einer Party-Selection mit allerhand Sure Shots und einigen Modern Roots-Stücken und Reggae-Klassikern wie Anthony B's „God Above Everything“ oder Barrington Levys „Here I Come“ legte Selector Olli ein paar 90ies Dancehall-Klassiker auf und droppte auch ein paar neuere Bashment-Kracher. Eine kleine Bob Marley-Runde wurde von MC Joscha mit „Niceness before the war starts“ angekündigt. Kurz vor Mitternacht betrat dann Bobby Konders, Hot 97-Radiomoderator und Kopf von Massive B, die Bühne. Mit der richtigen Dosis aus Souveränität, Sachverstand, Durchsetzungsvermögen und Coolness inna Brooklyn Style führte er als Host, der prädestiniert für diese Aufgabe war, gekonnt durch die Nacht. Die Massive war durch Silly Walks Gassenhauer-Selection eingegroovt, jetzt wurde es aber ernst. Bobby Konders begrüßte die aus sechs Ländern angereisten Clash-Fans, wobei klar wurde, dass sich wenige Briten und Schweden im Publikum befanden. RUNDE 1 Bei der Auslosung der Reihenfolge zogen Irie Crew die Nummer 1. Das lud MC Smokey zu einer Ansage Marke „Start number one, finish number one“ ein. Zwei Custommades von Da'Ville und dem sudanesischen Sänger Dynamic sorgten schon in der Vorstellungsrunde für Kriegsstimmung. Danach folgten aktuelle Dubs von Busy Signal, Demarco und T.O.K. auf Riddims wie „Trenches“, „Foundation“ und „Sidewalk University“. X-TA-C 4x4 starteten mit Jah Cure und Richie Spice auf dem gemächlichen „Guardian Angel“, den man nicht gerade als War-Riddim bezeichnen kann. Die Jungs aus Birmingham spielten als erster Sound Konshens' „Winner“ als Custommade, den man im Laufe des Abends noch von Irie Crew, Herb-A-Lize It und Civalizee hören sollte. So gesehen war Konshens wohl der Gewinner des Abends, der durch den RIDDIM Clash jetzt einige Dub Plate-Dollar mehr in der Tasche haben dürfte. Es folgten einige hardcore Tunes, aus denen der „Shoot Out“-Riddim und Bountys „Bulletproof Skin“ hervorstachen. Insgesamt sollten im Laufe des Abends noch viele dicke Bountys laufen. Soundquake-MC und Sportsmann Bimma begrüßte erst mal freundlich alle anwesenden Nationen, bevor die Detmolder loslegten. Mit „There is only one war where you can go with a good feeling“ kündigte er Beres Hammonds „I Feel Good“ an. Danach spielten sie ein Custommade von Alborosies „Ring Di Alarm“, ein Artist, den man an diesem Abend von keinem anderen Sound hören sollte! In ihrem Set, in dem es kleinere Laptop-Probleme gab, spielten sie noch zwei Seranis, von denen einer brandneu war. Leider wurde der Tune, den ein großer Teil der Anwesenden nicht zu kennen schien, nicht ausreichend gewürdigt. Das Konzept der Detmolder unterschied sich weiterhin entscheidend von der Art und Weise, in der Irie Crew sowie später auch Civalizee und Herb-A-Lize It spielten. Statt reihenweise teure Hype-Custommades zu spielen, setzten die Soundexperten auf aus Liebhaberei entstandene Qualitätsplates, die ihre eigene Handschrift erkennen ließen und auch noch in einigen Jahren Dances zum Kochen bringen werden. Dass sie am meisten Buhs einstecken mussten, war schade, denn sonst schien das Publikum weitestgehend neutral zu sein. Herb-A-Lize It starteten mit einem Dawn Penn-Custommade und einer netten Selection auf dem „Really Together“. Danach sorgten sie mit drei Mavados hintereinander für Aufruhr. Civalizee-MC Buda beginnt mit einer Bewertung der vorhergehenden Sounds: „Irie Crew good, Soundquake good, X-TA-C you flop”. Trotz jeder Menge Civalizee-Supporter sind die vielen Forwards, die sie einheimsten – u.a. für ein Beres Hammond/Robert Ffrench-Custommade – alle verdient. Bountys „Dem Nuh Bad“ auf dem „Gear Box“-Riddim brachte den Belgiern den bis dahin größten Forward des Abends ein. Trinity starteten mit guten Tunes, doch Third World und Alton Ellis gehören wohl eher ins Dub fi Dub als in die Vorstellungsrunde. Einen YT-Tune kündigten sie mit „X-TA-C don't play English artists. Me ago play English artists” an. Mit einem Monster Shack-Custommade konnten sie nicht den Nerv des Publikums treffen und es wurde klar, dass die Schweden trotz richtig guter Dubs nicht so loaded waren wie die anderen Sounds. RUNDE 2 Highlights der zweiten Runde von Irie Crew waren eine clevere und witzige Speech gegen den barfuß auftretenden Civalizee-MC Buda, („You can't step inna mi shoes“) und ein Mitch-Custommade, in dem „Clownquake“ gedisst wurde. X-TA-C spielten etwas unspektakulär, einziger Höhepunkt ist ein Custommade von General Levys „Incredible“. Soundquakes Bimma richtete sich direkt ans Publikum: „All who know Trinity and X-TA-C haffi go, say dead!“. Die Detmolder spielten u.a. T.O.K.s „Eagles Cry“, eine Selection auf dem „Sleng Teng“, Cutty Ranks und danach Bounty Killers „Soundkilla“. Doch es sollte schwierig werden, sich mit so einem tollen, von Classics dominierten Set gegen die Hype-Tunes von Civalizee, Herb-A-Lize It und Irie Crew durchzusetzen. Herb-A-Lize It waren in bester Kriegsstimmung, Sultan forderte jemanden im Publikum auf, ihm sein „Fuck Soundquake“-Schild zu reichen und bezeichnete Sista Flex von Civalizee als „Paris Hilton of the Dancehall scene“. Civalizee reagierten mit Nanko, der statt „Lucky You“ „Shame On You“ sang und feuerten ein Custommade von Pressures „Ghetto Life“ hinterher. Gegen Ende der Runde bekamen sie für „The Mission“ von den Marley-Brüdern den vielleicht größten Forward des Abends. Trinity konnten danach trotz netter Dubs von Lukie D., Stitchie und Ninjaman nur noch zahnlos wirken. Auch wenn MC Fabulous G direkt zu Beginn „We nah going nowhere“ ankündigte, war die Eliminierung der Schweden nicht vermeidbar und auch für X-TA-C 4x4 war der RIDDIM CLASH nach Runde 2 gelaufen. Trotzdem Respect an die beiden Sounds, die ohne eine Busladung Fans vor der Bühne ihren Soundmann standen. RUNDE 3 In der dritten Runde spielten Irie Crew Kartels brutales „Weh Dat Fah“ als Custommade und Soundquake ihren monströsen Ronny Trettmann, doch seltsamerweise kein Custommade ihres Schützlings Cornadoor, sondern nur das bekannte „Long Road“-Plate. Bimma stellte außerdem fest: „Dem diss Soundquake, because dem know when we get inna di Dub fi Dub, things get mad!“ Disses der Sounds ließen nicht lange auf sich warten und Herb-A-Lize It beschwerten sich über Ronny Trettmann, der für die Hälfte der Anwesenden nicht verständlich sei. Die Niederländer legten noch eine Bunji Garlin-Counteraction gegen Soundquake nach und überzogen ihre Runde. Auch wenn alle Sounds gut gespielt hatten, setzten Civalizee noch einen drauf. Als Counteraction auf Herb-A-Lize Its „On The Rock“-Plate spielten sie Lucianos Interpretation des Spirituals, fuhren mit einem „Doh“-Custommade von Serani und Bugle einen Riesen-Forward ein und brachten mit einer Selection auf dem „Eye Of The Tiger“-Riddim das E-Werk endgültig zum Durchdrehen. Soundquake schied in dieser Runde aus. RUNDE 4 Zu Beginn der vierten Runde verwirrten Irie Crew die Clash-Fans, die sich fragten: „Ist das jetzt Jimmy Cliff?“, doch es war Guidance, der „Many Sounds To Kill” sang. Buda von Civalizee, die bisher am meisten Custommades gespielt hatte, disste auf einmal „Hypee Hypee-Tunes“, um „easy Forwards“ zu bekommen. Waren ihnen die Tunes ausgegangen? Oder wollten sie kurz vor dem Dub fi Dub die Massive mit Tunes wie Zap Pows „Last War“ für sich gewinnen? Für teilweise sehr amüsante Antworten auf diese und andere Fragen kann man sich in die einschlägigen Foren einloggen... DUB FI DUB Das Finale bestritten also Civalizee und Herb-A-Lize It. Die Highlights waren Herb-A-Lize Its Combination von Frankie Paul und Alton Ellis und Civalizees „Gorgon“ von Cornell Campbell. Mit Ken Parkers „True, True, True“ gewannen sie das Dub fi Dub mit 6:3 und somit den RIDDIM CLASH 2008. Es war ein stimmiger Clash auf internationalem Niveau, bei dem alle Beteiligten gute und interessante Performances ablieferten. Teilweise kann man die Kreativität der Sounds kritisieren, die beim Voicen oft die Original-Riddims benutzten und vielleicht auch, dass „Trenches“ und „Shoot Out“ zu oft gespielt wurden. Ob man Clashes in Zukunft nur noch gewinnen kann, indem man fünfstellige Beträge für Dubs ausgibt, wird sich zeigen. Lustig ist auf jeden Fall, dass sich in Foren darüber beschwert wird, dass „zu viele Custommades“ gespielt wurden, während gewöhnlich mehr Custommades gefordert werden. Bei aller Kritik darf man außerdem nicht vergessen, dass alle Sounds coole Plates hatten und das Niveau des Clashes insgesamt sehr hoch war. RIDDIM gratuliert Civalizee Foundation! Danke an Soundquake, Irie Crew, Herb-A-Lize It, X-TA-C 4x4 und Trinity für den tollen Abend und die dicken Tunes, Silly Walks Discotheque für das nice Warm-Up, den besten Host Bobby Konders, Tilmann, Henning, Mattia und den Rest der U-Club-Crew – die besten Organisatoren, Frank Schaffner von www.rastamusic.com für den High Quality-Stream und natürlich bei der internationalen Massive. Um es mit den Worten von Civalizees Buda zu sagen: „It was a victory for Reggae music worldwide.“ |
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