| 17.07.2003 - Kölns OB Schramma macht den Drogentest, braucht aber offensichtlich die Unterstützung (siehe Foto) von Ex-Polizeidirektor Granitzka um die Linie zu halten. Definitiv keinen Drogentest bestanden hätte Frau Ebert vom örtlichen Lokalblatt "Express", die wohl mittels Laptop auf ihrem Balkon das "Reggae-Urgestein Bunny Wailer" auf die Bühne des Summerjams fantasierte, statt den in Sachen Reggae in der Regel gut unterrichteten Kollegen Bos zu fragen oder gar die Website des Veranstalters zu besuchen. So blieben Drogen auch dieses Jahr das alles beherrschende Thema in der Kölner Presse und Verwaltung. 100 Uniformierte & 45 zivile "Beamte" fanden mit Hilfe des Rüden "Herrn Müller" insgesamt 2.360 Gramm THChaltiges, was bei 25.000 Besuchern eine geringe Menge sein sollte. Das führte zu 490 Anzeigen, darunter laut Polizeiangaben 13 Dealer, die wohl besser auf das Doc Morris Konzept umsteigen sollten (Bestellen in Holland, Lieferung kommt per Post, bei Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Paket-Zusteller). Hatte sich der Oberbürgermeister und Kopf der Stadt-Verwaltung, Fritz Schramma (CDU), Anfang des Jahres für die Bewilligung des diesjährigen Summerjams gegen den Leiter des Ordnungsamtes Robert "Das Summerjam ist extrem kriminogen" Kilp um den Preis massiver Polizeikontrollen durchgesetzt (siehe RIDDIM 01/03), tönt es nun aus Stadt & Verwaltung wie in Jah Shakas Echo Chamber. Während der (CDU-) Bürgermeister des Stadtteils Chorweiler, zu dem das Festival-Gelände gehört, die Veranstaltung Jahr für Jahr "Herzlich Willkommen" heißt, fordert Wolfgang Simons (CDU), Ratsmitglied und Vorsitzender des Polizeibeirats, der sich mehrheitlich gegen eine Genehmigung des Jams ausgesprochen hatte, laut Kölner Stadt-Anzeiger (alle Zitate) ein Verbot der Veranstaltung. "Die Musik ist in Ordnung, ich war selbst jahrelang Rockmusiker" und "Von mir aus sollen die Leute Drogen konsumieren. Das gehört für viele wohl zu dieser Musik dazu. Aber da wird unverhohlen gedealt. Das ist nicht hinnehmbar". Worte wie Feuer und nur als flammendes Plädoyer für das Homegrowing zu interpretieren, und das von einem Referenten für Lehrerfortbildung beim Erzbistum Köln, der damit wohl kaum auf Linie mit seinem obersten Dienstherrn ist. Simons hatte zwei Tage nach dem SJ auch noch Zeit & Lust das Gelände aufzusuchen und bei Ansicht der dortigen Müllberge über das "ökologische Desaster" "fast in Ohnmacht zu fallen". Dass die Räumung eines Festival-Geländes auf einer Grünfläche mit See aufwendiger ist als mit hundert Kehrmaschinen nach der Parade zum am gleichen Wochenende stattfindenden Christopher Street Day durch die Innenstadt zu jagen, scheint den ehemaligen Rockmusiker nicht so recht zu interessieren. Fazit: Schramma habe "einen Fehler gemacht", doch der Oberbürgermeister sei ja "lernfähig". Schramma, der das SJ in diesem Jahr zum ersten Mal besuchte und durch die Plattensammlung seines Sohnes auch musikalisch im Bilde ist, wollte aber alles richtig machen und war "angetan" von der "friedlichen" & "kulturell wertvollen Konzertreihe“. Und da "Köln ja eine Millionenstadt und kein Provinznest" ist, "hat so eine Metropole auch die Verpflichtung, ihren Bürgern etwas zu bieten". "Dazu gehören auch solche Events, selbst wenn es manchen nicht passt". Da "große, friedliche Feste (Karneval, Ringfest, CSD usw.) hier immer einen festen Platz haben", und auch noch die Idee für eine Bewerbung als Kulturhauptstadt bei leerer Stadtkasse herumgeistert, kann sich der OB "sehr gut vorstellen " das "diese friedliche Veranstaltung weiterhin in Köln stattfindet". Und um den für August erwarteten Abschlussbericht von Ordnungsamt und Polizei schon im Vorfeld zu Entschärfen, lobt unser Robin Hood mal gleich die "sehr gute" Kooperation der beiden Behörden mit dem Veranstalter. "Es wurden trotz verschärfter Kontrollen keine Großdealer gefunden". Denn "Besucher hätten lediglich Drogen, die sie für den Eigengebrauch besaßen, geteilt oder an Freunde verkauft". Ich setze mir jetzt vorsichtshalber bis August die rosarote Brille auf. |