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30.04.2012 - Bun Babylon Sound aus Köln haben sich etwas Besonderes einfallen lassen: Innerhalb weniger Stunden waren die heißbegehrten Tickets für die Party der etwas anderen Art weg. „Rock That Train“, ein Dance in einer fahrenden Stadtbahn. Richtig gelesen, am 28.04., enterten 170 Dancehall-Fans zum dritten Mal den Party-Wagen der KVB. Um 20.30 Uhr sollte die Bahn von der Haltestelle Aachener Str./Gürtel im Westen Kölns lostuckern. Sich vergleichsweise kurzfristig an einem Freitag um 20.00 Uhr auf die Socken zu machen – ein bis zwei Rum-Cola wollen ja zuvor noch als Unterlage eingenommen werden – musste zwangsläufig im Stress enden. Als ich mit meinen Mitstreitern um 20.15 noch mindestens 20 Minuten von der Haltestelle entfernt war, kam nach einem Anruf bei Bun Babylon’s Don Hen die Entwarnung: „20.30 ist Treffpunkt, die Bahn fährt erst um 21.00 los.“ Sehr angenehm... Mit kleiner Verspätung kamen wir am Treffpunkt an, wo sich schon eine ansehnliche, von weitem erkennbare Posse zusammengefunden hatte. Nach dem obligatorischen Meet & Greet unter den Kölner Dancehall-Heads (um den Bericht nicht im Sounboy-Roll Call enden zu lassen, werde ich nicht die Namen aufzählen) händigte Don Hen die Karten aus und gab noch einen guten Tipp: „Nehmt euch gleich mal ein, zwei Bier mit, sich nachher im Zug ans vordere oder hintere Ende durchzudrängen wird extrem anstrengend!“ Ein vernünftiger Hinweis, den von uns nur leider keiner befolgte – wichtiger war zu diesem Zeitpunkt, die letzten Minuten vor der Abfahrt zu nutzen, um ein letztes Mal die Blase zu entleeren. Eine gewisse Vorahnung, was diesbezüglich noch auf uns zu kommen sollte, hatte ich bereits, doch dazu später mehr... Es ist gerade dunkel geworden, als der Waggon der KVB einfuhr, aus den geöffneten Türen dröhnte bereits – stilgerecht und mit viel Liebe zum Detail inszeniert - der Riddim-Track von Keith & Tex’ „Stop That Train“. Die partyhungrigen Fahrgäste strömten in die Bahn, die Türen schlossen sich und MC Mr. Beakz fragt noch einmal: „Everybody on board?! Let’s go!“ Ein eigens gecuttetes „Rock That Train“-Dub Plate von Teacha Dee schallte aus dem basskräftigen (für den zu beschallenden Raum auf jeden Fall mehr als angemessenen) Sound System, das von Saint Riverside entliehen wurde. Die Bahn-Massive, zum Teil mit Trillerpfeifen bestückt, zeigte zum ersten Mal, wie schön sie Lärm machen konnte, während draußen die Lichter Kölns vorbeizogen. Jetzt stand ich also da. In einer knallvollen Bahn. Und wie soll man hier nun feiern? Es gab kein Vor oder Zurück, an einen Platzwechsel bzw. Getränkeholen war erst einmal nicht zu denken. Und noch hielt sich jeder brav an den dafür vorgesehenen Griffen fest. Schnell standen die ersten Gäste auf den Sitzen und das Geschehen lockerte sich schnell auf. Innerhalb kürzester Zeit wurden rund um mich allseits beliebte Rauchwaren ausgepackt und die Bahn füllte sich mit süßlichem Dunst. Hannibal C-Lecta, mit Selecta Wicked am Sampler, juggelte sich routiniert durch aktuelle Modern Roots-Selections und die Party kam in Schwung. Endlich drangen auch die ersten Kölsch-Dosen bis zu uns durch – das Konzept, diese gleich palettenweise zu kleinem Preis zu verkaufen, war von großem Vorteil für die allgemeine Versorgungslage im Zug. Doch nach der zweiten Dose machte sich auch schon bemerkbar, wo der große Haken an der Bahnparty lag – als es hieß, die erste Pause sei noch eine Stunde entfernt, wünschten sich diverse Fahrgäste, sie wären das Biertrinken langsamer angegangen. Um kurz vor 22.00 musste Fahrer Klaus „dem Druck nachgeben“ und einen ersten, außerplanmäßigen Stopp einlegen – auf offenem Gleiskörper. Der Ort war dafür nicht sehr glücklich gewählt: Die Leute strömten noch im selben Augenblick dutzendweise über die ungeschützten Gleise zum nächsten Gebüsch, was auch ins Auge hätte gehen können. Versuche, das Partyvolk zurückzurufen waren dann verständlicherweise wenig erfolgreich... Schwamm drüber, es kam niemand zu Schaden. Offenbar schafften es ein paar Gäste nicht zurück in den Waggon – plötzlich war merklich mehr Platz und auch der „Breath of fresh air“ tat dem aufgeheizten Publikum gut. Von dem Zeitpunkt an wurde die Party von Minute zu Minute besser: Die Stimmung war aufgelockert, die „Rock That Train“-Besucher hatten sich eingegroovt und wurden mit aktuellem Dancehall beschallt. Hit-Tunes wurden mit ohrenbetäubenden Forwards und wüstem An-die-Decke-Trommeln begrüßt. Was für ein Feeling, wenn hundert Menschen im gleichen Takt hüpfen und der ganze Waggon mitschwingt! Schwitzende Körper schoben sich aneinander vorbei, sich festzuhalten nahmen auch nicht mehr alle so ernst - irgendwer fing einen immer auf, sollte man mal das Gleichgewicht in einer Kurve verlieren! Die Fenster waren mittlerweile so beschlagen, dass ich den Versuch, die Orientierung zu behalten, wo in der Stadt wir uns gerade bewegen, auch schnell wieder aufgab. Um kurz vor halb Elf hieß es jedenfalls "Make some noise for Heumarkt!", und wenige Minuten später kamen wir wieder am Rudolfplatz vorbei. Der Unterhaltungsfaktor beim kurzen Halten an zentralen Haltestellen wie dieser war kaum zu überbieten. Die Gesichtsausdrücke der Leute zu beobachten, die draußen an der Haltestelle standen, ungläubig den einfahrenden Partyzug beäugten und wohl nur allzu gern zugestiegen wären – unvergesslich! Um 23.10 ging es zur zweiten, schon wieder dringend nötigen Pause nach draußen, wo es mittlerweile zu regnen begonnen hatte. Dessen ungeachtet formierte sich innerhalb von Minuten eine beachtliche Pinkelmeile. Bis jetzt bleibt mir unbegreiflich, wie die Ladies mit ihrer „verzwickten“ Situation umgingen... Zehn Minuten später ging es auch schon wieder weiter und Mr. Beakz kündigte den Endspurt an. Zu Party-Sureshots wie „Palance“, „Wipe Out“ und Co. gab die „Train“-Massive noch einmal alles. „Last chance fi dance“ hieß es dann und um halb Eins war der Spaß so schnell wieder vorbei, wie er angefangen hatte. Der Zug machte Halt und die Partygäste verstreuten sich in die verregnete Nacht. Alles in allem: Entertainment der Extraklasse, auch wenn man sich einen Ritt wie diesen zwei Mal überlegen sollte, wenn man zart besaitet oder klaustrophobisch ist. Respekt an alle, die nach es dieser Party zum Weiterfeiern noch in den Club geschafft haben (ich hätte es lassen sollen) und natürlich an Bun Babylon Sound – großes Kino! Erste Impressionen gibt’s hier |
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