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     KdK - Soca-Invasion in Berlin  
  Text von Beda Ranks  
  30.05.2012 - "Soca ist Teufelsmusik", soll I-Wayne vor Jahren in einem Interview mit dem Vibe Magazine behauptet haben, und nach einem Wochenende beim Karneval der Kulturen in Berlin kann ich das, mit einem Augenzwinkern, nur bestätigen. Und obwohl das diesjährige Motto der offiziellen Yard-Clothing Kollektion "City Of Angels" lautete: Kaum eine andere Musikrichtung verleitet derart zum hemmungslosen Feiern wie der Soundtrack des Karnevals auf Trinidad und Tobago.

In Berlin hat es sich eine Reihe Gleichgesinnter zur Mission gemacht, Soca eine stilgerechte Plattform in Deutschland zu bieten und über die Jahre eine beachtliche Massive für diese Spielart karibischer Musik aufbauen können. Ihre Namen dürften mittlerweile bekannt sein: Soca Twins, Supersonic, Barney Millah, City Lock, Yard Gear, Mashup Crew sind nur einige Aushängeschilder der lebendigen Szene. Den Höhepunkt im Berliner Soca-Kalender stellt jedes Jahr der Karneval der Kulturen dar. Im Yaam gab es als nächtliches Rahmenprogramm drei Tage in Folge „Carribean Invasion“. Beim Vintage-Schwerpunkt am Freitag gastierte David Rodigan: Erstaunlich, wie sich der in die Jahre gekommene Mann seine Leidenschaft für Musik erhalten hat, und das Publikum immer wieder aufs Neue damit ansteckt. An diesem Abend überraschte der Rudeboy Gentleman mit neuen Busy Signal-Dub Plates und einer spannenden Dubstep-Selection zu später Stunde, nachdem ihn die Massive gar nicht mehr heimgehen lassen wollte. „Berlin, are you ready for Carneval?“ Noch war nicht auszudenken, was sich Sonntagnacht hier abspielen sollte...

Bei allen Side-Events und Afterpartys sollte man bei einem Kreuzberg-Aufenthalt zum KdK auch dessen Herz, dem Straßenfest um den Blücher Platz, einen Besuch abstatten, was ich mir für Samstag vorgenommen hatte. Zwischen einer Steeldrum-Band, afrikanischen Trommelgruppen sowie Latino- und Balkan-Stages ließ sich hier viel entdecken, lecker Caipirinha schlürfen und beim HELP! Jamaica-Stand ein spitzen Jerk Chicken für einen guten Zweck essen.

Menschenmassen sollte man aber mögen – was prinzipiell für alle KdK-Veranstaltungen gilt. Da ich auch Samstag nicht vor fünf Uhr morgens ins Bett kam, war am Sonntag schnell klar, dass den ganzen Umzug mitzugehen einem Himmelfahrtskommando gleichgekommen wäre. Der startete nämlich schon um 12.30 am überbordenden Hermannplatz und sollte erst nach neun Uhr im Bereich der Yorckstraße sein Ende finden. Als sich die ersten der über 100 Wagen in Zeitlupentempo an mir KdK-Neuling vorbeischoben, ließ sich erst langsam erahnen, welche Dimensionen der Umzug tatsächlich hatte – über eine Million Menschen nahmen wieder an dem Spektakel teil. Ich nutzte den frühen Nachmittag, um mich beim „Horst Kreuzberg“-Open Air zu regenerieren, wo die Hipster-Legionen der Stadt hingepilgert waren um sich von Four-To-The-Floor-Bassmusik beschallen zu lassen. Als es mich schließlich doch in Richtung Umzug zog, landete ich direkt in der Gefolgschaft des Yaam-Trucks, auf dem gerade City Lock zugange waren. Ruffe Vybz Kartel-Tunes bliesen aus der wohl besten PA, die ich bis jetzt bei einem Umzugstruck gesehen habe. „Carnival gets bigger every year!", hörte ich Citylock-MC Tommy Dollar noch mit Stolz verkünden, bevor der Lastwagen und der unaufhaltsame Menschenstrom schon wieder in der Ferne verschwanden. Ich musste mir meinen Weg zum Yard/Escobar-Truck gegen den Strom bahnen, wo die richtige Soca-Party abgehen sollte. „Nur“ sechs Trucks weiter – tatsächlich brauchte ich eine halbe Stunde für den Weg – sah ich schon die zahlreichen Soca-Anhänger, zu erkennen an ihren roten Outfits, dem offiziellen Dresscode, den Yard dieses Jahr ausgegeben hatte. Einmal im Gezappel hinter dem Yard/Escobar-Truck angekommen, blieb mir wenig anderes übrig als die Hände in die Luft zu reißen und im Rhythmus mitzuhüpfen, den in diesem Fall Barney Millah, Soca Twins, Threeks und Co. vorgaben. Nebenbei musste man nur acht geben, dass einem die Augen nicht aus dem Kopf fallen beim Anblick der mit einem Hauch von nichts "kostümierten" Damen. Ah ja, und das Rum trinken nicht vergessen...

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit ging der Roadmarch seinem Ende zu, und nach einem kurzen Chillout im Urban Tree-Camp machten wir uns auf den Weg ins Yaam. Dort war die Halle zwar schon gut gefüllt, aber man merkte vielen Besuchern das lange Partywochenende, die große Hitze und den anstrengenden Umzug an. Sehr spät erst kam Da’Ville, der erste Live-Act des Abends, auf die Bühne. Leider tat er sich an dem Abend schwer, das vom Soca aufgekratzte und zum Teil schon recht alkoholisierte Publikum bei der Stange zu halten. Sicher nicht die beste Show in der Karriere des begnadeten Sängers. Danach mussten Supersonic für ein kurzes Set hinter die Decks, um die Stimmung wieder auf Hype-Niveau zu bringen – was ihnen mit Spiders eindringlicher Speech und aktuellen Knallern von Popcaan („Party Shot“) und I-Octane („We Love Di Vibes“) bestens gelang. Mit Faye Ann Lyons und Bunji Garlin gab es dann ein letztes Mal für dieses Wochenende 100 Prozent Trini-Vibes um die Ohren. Vor allem der „Fireman“ aus Trinidad zeigte wieder einmal seine großartigen Entertainer-Qualitäten. Mit Leichtigkeit überspielte er die Probleme, die ihm seine Riddimtrack-CD zeitweise bescherte, und unterhielt die Leute mit witzigen Freestyles. Nachdem er den Laden mehrmals Kopf stehen ließ, juggelten Citylock noch weiter, bis die Sonne hoch über dem Sandstrand des Yaam stand. Für das Schlusswort bleibt nur noch Spider zu zitieren: „Berlin is the place to be!“ Was das KdK-Wochenende angeht, hat er damit uneingeschränkt recht.

 
     
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