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     Der Ruhr Reggae-Samstag in Worten  
  Text von Beda Ranks  
  31.07.2012 - 12.000 Besucher wurden dieses Jahr in Mülheim/Ruhr gezählt: Acts wie Dancehall-Godfather Johnny Osbourne und Reggae-Crooner Beres Hammond, der in Mülheim seinen einzigen Festival-Auftritt in Deutschland absolvierte, hatten ihre Wirkung als Zugpferde getan. Die beiden Elders bestritten gemeinsam mit Charly Black und Baby Cham die Prime Time des Samstagabends, der sich auch als Highlight des dreitägigen Events herausschälte und hier zusammengefasst wird. Am Tag zuvor hatten Max Romeo (der den ausgefallenen Linval „Don’t You Cut Off Your Dreadlocks“ Thompson würdig vertrat), Mr. Vegas, die Loop Troop Rockers und andere für Furore gesorgt, während man sich Mono & Nikitaman, die Mighty Diamonds und Dendemann für den Sonntag aufbehielt – doch da war die RIDDIM-Redaktion schon wieder mit der Fertigstellung der nächsten Ausgabe beschäftigt.

Ganjaman eröffnete, gefolgt von Ziggi Recado, den Festival-Samstag und da sich das Wetter unerwartet freundlich zeigte, durfte man immer mehr auf einen gelungenen Konzertabend hoffen. Nachdem Skarra Mucci die immer größer werdende Masse gut mit Tunes seines aktuellen Albums, „Return Of The Raggamuffin“ und älteren Hits wie „Bonx It“ angeheizt hatte, kam Jah Mason auf die Bühne. Eine stimmige Roots-Show, die der Autor dieser Zeilen aber nutzte, um die noch menschenleere Dancehall-Area mit angrenzendem Freibad zu inspizieren, wo sich viele Besucher noch freudig ihrer Pool Party hingaben. Ein herrliches Plätzchen, um auf dem überschaubaren und doch weitläufigen Gelände eine kleine Auszeit zu nehmen. Als nächstes war Trelawny-Boy Charly Black an der Reihe ins Rampenlicht zu treten. Unterstützt von Jugglerz’ DJ Meska lieferte er eine überraschend schnittige Sound-Show und sorgte mit seiner energetischen Performance für einiges an early Fire. „Too Blessed“, „Bubbling Party“, „Heavy Lighter“, „Rich This Year“ und das unvermeidliche „Buddy Buddy“, mit dem der Bass Odyssey-Selector 2008 seine Artist-Karriere auf ein neues Level gehoben hatte, ließen die Arme, Feuerzeuge und Rags in die Luft schnellen. Charly zeigte, dass auch Soundshows auf der großen Bühne perfekt funktionieren können, wenn Selector und Artist eingespielt und fokussiert zusammenarbeiten. Auch wenn das Backing-Musiker vielleicht ungern hören: Diese Variante ist einer halbherzig ausgearbeiteten Band-Show vorzuziehen, der man die knappe Probezeit anhört, die Artist und Band oft nur miteinander haben. Nach Charly war es Zeit für mein persönliches Highlight des Abends: Johnny O lieferte „Rub-A-Dub by the Score“, wie er es ausdrückte. Beeindruckend wie sich der gealterte, aber immer noch zu 100 Prozent stimmsichere Entertainer durch seine Hits aus allen Reggae-Jahrzehnten bewegte: „From the 60s to the 70s to the 80s, throughout the 90s and now ina dis new Millenium, still going on strong...“ Mit „Likkle Soundboy“, „What A Lala“ oder dem unsterblichen „Buddy Bye“, das wie immer freudig begrüßt und mitgeträllert wurde, erinnerte Johnny an seine fruchtbare Dancehall-Ära, ohne dramatische Roots-Stücke wie „Purify Your Heart“ oder natürlich „Truths & Rights“ zu vergessen – Gänsehaut! 14 Jahre hatte sich der Dancehall Godfather nicht mehr in Europa blicken lassen, Tunes wie „Murderer“ und „Dub Plate Playing“ verschmolz er angesichts der kurzen Zeit, die ihm zur Verfügung stand, zu Medleys, wie sie jedem Soundboy nur zu bekannt sein sollten.

Danach steppte ein übermotivierter Baby Cham, Verzeihung, Cham auf die Bühne, der als ebenfalls selten gesehener Gast auf europäischen Festivals bewies, dass Dancehall mit Crossover-Potential keinen billigen Jiggy-Unfug benötigt, um frisch und aufregend zu klingen. Von seinen jetzt schon klassischen Großtaten für Dave Kelly („Galang“, „Boom/Can I Get A“, „Babylon Bwoy“) cruiste er die Memory Lane über „Vitamin S“ und „Ghetto Story“ zu den aktuellen Hits mit seiner Frau Ophilia „O“ Beckett hinauf. Schade, dass „Tun Up“ und „Wine Pon Mi Body“, die er sich für den Schluss aufgehoben hatte, nicht so recht zünden wollten. Obwohl schon mehrere Monate auf dem Buckel, waren die Tunes immer noch zu aktuell für das bunt gemischte Publikum, das sich nicht zu einem Forward durchringen konnte. Bevor es zum großen Höhepunkt des Abends kommen sollte, musste man noch einmal das vollkommen humorfreie und unpassende Gewitzel von Moderator Andrew Murphy über sich ergehen lassen. Warum „Mr. Summerjam“ extra nach Mülheim geholt wurde, bleibt mir ein Rätsel, sorgte er doch auch hier durch die Bank für Kopfschütteln. Nun endlich war es an der Zeit für Beres Hammond, das Grand Finale, die uneingeschränkte Nummer Eins im Lover’s-Business. „Groovy Little Thing“, „Ain’t It Good To Know“, „They Gonna Talk“, „What One Dance Can Do“... Für jeden der scheinbar endlos vielen Hits könnte man ein anderes Superlativ bemühen, für jedes Mitglied seiner Harmony House Band, die den dazugehörigen musikalischen Teppich zauberte, eine eigene Lobeshymne anstimmen. Und wenn dann einer trotz sich nicht mehr legen wollenden Begeisterungsstürmen einen so bodenständigen und charmanten Eindruck macht wie Mr. Hammond, kann man nur noch seinen Hut ziehen und froh sein, dabei gewesen zu sein. Beres rules, once and for all! In der Dancehall ließen PowPow, Jugglerz, Civalizee und andere zu diesem Zeitpunkt bereits ihr Jump Up-Karussell drehen, das noch bis in den frühen Morgen gehen sollte und nur von Puppa Rodigan unterbrochen wurde: Dessen langsame Dub Plate-Kost sorgte noch einmal für ein bisschen Platz unter auf der Tanzfläche. Irgendwann kam wie bei jeder Party der Curfew und die verschwitzten, aber glücklichen Menschen bahnten sich ihre Wege zu Zeltplatz und Ausgang, während die Sonne über dem Mülheimer Ruhrstadion aufging...

 
     
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