Newsletter
Riddim Mag abonnieren
Riddim Shop Angebote
     NEWS  
     Reggae Jam ina di Dance: Samstagnacht  
  Text von Beda Ranks  
  07.08.2012 - Das Bersenbrücker Festival ist nicht nur für sein ausgezeichnetes Artist-Line-Up bekannt, sondern verpflichtet auch jedes Mal eine Reihe hochwertiger Sounds, die sich um das spätnächtliche Tanzvergnügen kümmern. Jah Cure gab gerade ein, nach Aussagen aller Anwesenden, sehr sehenswertes Konzert auf der Hauptbühne, als ich bereits den Weg ins Dancehall-Zelt genommen hatte, das mit Mango Tree, gefolgt von Soulforce, LP, Deebuzz und Caveman das spannendste Line-Up des Wochenendes bereithielt. Nachdem Kollege Nowak bereits den Reggae Jam-Freitag beleuchtet hat, hier ein Stimmungsbericht vom Samstag aus nachtaktiver Sicht.

Als ich das Zelt betrat, waren gerade Mango Tree dabei, ihr Set abzuschließen, welches schon mit guten Reaktionen vom Publikum bedacht wurde. Routinierte und schwer sympathische Soundjungs, die ich Tags darauf noch im Rahmen eines Dub Plate-Voicings im Studio kennen lernte (bei welcher Session wird hier natürlich nicht verraten). Dann war es Zeit für SoulForce aus Krefeld, die gerade mit ihrem Remix von Marsimotos "Wellness" in aller Munde sind, der natürlich zu späterem Zeitpunkt noch gedroppt wurde. SF-Musikchef und -DJ Fizzle eröffnete sein Set mit einer Auswahl an Remixen auf dem “Sleng Teng”, später gab es neuere Riddims wie den "Dynamite", etwas Dubstep (z.B. der von Skrillex produzierte Damian Marley Tune "Make It Bun Dem", der sich zu einem der meistgespielten Tunes dieses Sommers entwickelt hat) und natürlich SoulForce Hit-Remix Selections der Marke "Movie Star" oder "Tonight" auf die Ohren. Als letzten Tune spielte Fizzle einen neuen langsamen, aber bouncig-basslastigen Remix von Kartels "Street Vybz", der nach eigener Aussage zum ersten Mal vor Publikum lief. Immer wieder eine Wohltat, Sounds zu hören, die mit ihrer Tune-Auswahl versuchen, einen individuellen Stil zu entwickeln anstatt nur Sureshots abzufeuern, wie man das leider immer wieder bei vermeintlichen "Big Sounds" gerade auf den großen Festivalbühnen beobachten kann.

Als nächstes waren DeeBuzz an der Reihe, die ihr Set naturgemäß anders anlegten und nach dem Einstieg mit einem Reggae Jam-Custom Dub von Skarra Mucci und Mr. Lexx ihre einmalige Juggling-Kunst unter Beweis stellten. Im Minutentakt ließen die Mannheimer Tunes auf die Massive niederprasseln – weniger exklusives Material, aber eine Präzision und Sicherheit in der Präsentation, die das hohe Deebuzz-Niveau einmal mehr unterstrich. Das Resultat war ein clever aufgebautes Set, das nach einer Reihe aktueller Dancehall-Bretter einen Gang zurückfuhr, bevor mit Roots-Hits von J Boog oder Christopher Martin sogar noch größere Forwards erzielt wurden. Erfrischend empfand ich seit jeher den MC-Stil von Mahatma, der sich mit seinen Speeches sprachlich eher an US-Englisch orientiert und nicht versucht, jamaikanischer als die Jamaikaner selbst zu klingen, was der Verständigung mit dem Publikum nur gut tun kann. Außerdem verzichtet er weitgehend auf das in MC-Kreisen inflationäre Kreischen – was Iniman von Caveman Sound später leider ins Gegenteil verkehren sollte.

Davor kam aber noch ein LP International-Set, das sich gewaschen hatte. Mit "As We Enter", das auch prompt gewheelt werden musste, übergaben Deebuzz an Puma, der den "hardcore part of the dance" ankündigte. Die Soundboy-Herzen begannen höher zu schlagen, als er vermeldete, für die nächsten eineinhalb Stunden strictly Dub Plates zu spielen. Im lässig lockeren New York-Style juggelte er sich durch die Artist-Generationen, nach klassischem LP-Opening Material auf Riddims wie “Far East” gab es den “War”-Riddim mit Bounty, Specials von Rita Marley ("One Draw") und neue Popcaan-Dubs. An dieser Stelle wechselte Puma das Tempo, spielte die Tunes nur ganz kurz an, um gleich nach der Punchline den nächsten hinterher zu schieben. Langjährig erprobte Clash-Riddims dominierten: Auch wenn es wieder ein Klischee bestätigt, waren es vor allem weibliche Stimmen, die weniger mit dem Dargebotenen anfangen konnten. Ich für meinen Teil fand es einen der unterhaltsamsten Auftritte beim Reggae Jam, auch wenn man als Nerd zugeben muss, dass Sets wie diese für ungeübte Ohren eine Herausforderung darstellen, was zum Teil auch den nicht immer perfekt gemasterten Specials geschuldet war.

Anschließend brachte Caveman den Samstagabend im Zelt zum Abschluss. Nichts liegt mir ferner als über Iniman herzuziehen – ein langgedienter Soundman, der sich in München angesiedelt hat und in letzter Zeit auch mit "Jamaican Style"-Interviews für Reggaeville auffiel – aber mit seinem Gekreische hat er mir die teilweise amtlichen Tunes vermiest. Ich bahnte mir einen Weg aus dem Zelt, das zur Prime Time mehr als prall gefüllt war, um bei Top Frankin' vorbeizuschauen: Der Traditionssound aus Essen scheute keine Competition nach altem Vorbild und baute sein eigenes kleines Zelt gleich vis-á-vis der großen Dancehall auf. Gäbe es doch nur mehr Festivals, auf denen so etwas erlaubt ist... Selecta Frank und seine Jungs zeigten über ihre stattliche Anlage, wieviel Spaß unsere aller Lieblingsmusik machen kann, wenn man sie mit einem kleinen Augenzwinkern versteht. Wir sind hier, um gemeinsam Spaß zu haben, war die Message. "Das Bier muss heute noch leer werden, alle zur Bar!", nur eine der zahlreichen Aufforderungen, die zum Teil auf Deutsch, zum Teil auf Englisch an die feier- und tanzlustige Meute gerichtet wurde: Selten so gelacht. Um ca. fünf Uhr war Schluss und die Musik musste ausgemacht werden – schade, aber auch gut, endlich auf den Heimweg geschickt zu werden, schließlich sollte man ja für das große Finale am Sonntag fit sein, an dem sich die vielleicht größten Artists der drei Tage um einen unvergesslichen Abend gruppieren sollten.

Selecta Adirocks Eindrücke vom Reggae jam-Freitag gibt's hier nachzulesen. Bewegte Bilder gibt es wie immer bei Reggaeville.com.

 
     
     EURE KOMMENTARE  
  Es sind noch keine Kommentare zu diesem Artikel verfasst worden.  
  Schreib deinen eigenen Kommentar  

Text von Beda Ranks

Rototom Sunplas...
Rototom Sunplas...
Rototom Sunplas...
Rototom Sunplas...
Michael Turner und Robert Schoenfeld ... -
ROOTS KNOTTY RO...
JEREMY COLLINGWOOD ... -
1. BOB MARLEY –...
EVEREST SOUND ... -
COUNTRYTALK...
SELECTA M ... -
RAGGA & ROOTS S...
FESTIVALS 2013 -
Nichts wie raus...
Festival Guide 2012 -
...
Festivals 2011 -
Ras Tarik's Fes...
Festival Guide -
Festival Guide ...

  aqya