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Die Butlers sind tot, es lebe der Lions Club! TV and Movie Themes (Pork Pie / EFA) heißt das neueste Machwerk der Berliner Alt-Stars. Der Lions Club ist der Nachfolger der Butlers, und besagtes Album ist der Nachfolger der CD „Wanja‘s Choice“, auf der bereits instrumentale Ska- und Reggaeversionen von Film- und Fernsehmelodien zu hören waren. Dieses Konzept wurde nun konsequent weiterverfolgt, und so gibt es nun wieder das beste, was großer und kleiner Bildschirm zu bieten hatten und haben, diesmal sogar mit Gesangseinlagen. Die Vokalisten sind neben dem ursprünglichen Butlers-Sänger Wanja bekannte Stimmen aus aller Herren Länder in drei Kontinenten: Dr. Ring-Ding, Mark Foggo, Wilson von Eastern Standard Time, weitere Sänger und Instrumentalisten von Engine 54, Rollings, Spitfire, Time Tough, Spartan Allstars und und und...Von „Dallas“ bis „Baywatch“ (auf japanisch!!!), von diversen James-Bond-Songs bis „Rocky“, von „Love Boat“ bis „Star Wars“, alles ist mit viel liebe eingespielt worden, und zwar im alten Stil einer Live-Studio-Session, ohne großartige Overdubs. Es zählt die Atmosphäre - und man fühlt sich ganz wie bei einer lauen Sommernacht im Autokino bei offenem Verdeck. Als besonderer Gag enthält die CD eine 5“-Bonus-Vinyl-Single (in Größe einer CD) mit zwei zusätzlichen Tracks. Beim Lions Club bekommt man die runden Ohren zu den eckigen Augen! Fast alle bekannten deutschen Ska-Bands der frühen neunziger begannen mit einem „B“: The Butlers, The Busters, (El) Bosso, the Blue Beats und natürlich auch The Braces. Viele sind nicht übriggeblieben – die Braces aber wohl. Unterstellt man ihnen eine kreative Schaffenspause, gehören sie nun sicher zu den dienstältesten ihres Fachs. Ein neues Album gibt es auch: The Braces – Ska Got Soul (Mad Butcher Records). Die Rheinländer bringen die typisch deutsche Variante des Two-Tone beinflussten Ska – der Stil, den sie ja damals mitgeprägt haben – und sind sich somit treu geblieben. Sehr sauber produziert, Uhrwerk-präzise gespielte Grooves, perfekte Bläser, ansprechendes Songwriting, Texte mit jeder Menge schöner Querverweise und Anspielungen auf die Tradition des Ska in Jamaika und Deutschland, und mit sehr entspanntem Gesang, auch in den schnellen Nummern. Vielleicht hätte es hier und da etwas „dreckiger“ sein können, das ist aber sicher eine Geschmacksfrage, und bei den Braces wohl auch eine Stilfrage. Schön ist es auf jeden Fall, diese Band wieder zu hören und zu erleben. Aus Italien mal etwas jazziges: Mr. T-Bone and his Jamaican Liberation Orchestra – That‘s It! (Alternative Records). Die Band um den Posaunisten Mr. T-Bone alias Luigi De Gaspari kommt aus Mailand – seit jeher Wiege der bekanntesten italienischen Ska-Bands (Casino Royale, Giuliano Palma & the Bluebeaters etc). De Gaspari bediente in vielen dieser Bands die Posaune und war unter anderem auch schon als Teil des New York Ska Jazz Ensembles auf Europatournee. Irgendwann wurde es dann Zeit für ein eigenes Projekt, und so finden sich in diesem Orchester selbstverständlich einige der versiertesten Musiker ihres Genres wieder. „That‘s It“ bietet vor allem instrumentale Eigenkompositionen des Bandleaders im jamaikanischen Fahrwasser. Stücke, die atmosphärisch an das Skatalites-Album „Return Of the Big Guns“ erinnern, aber auch ein paar Gesangsstücke, die der Meister selber intoniert, und das allerdings in teilweise abenteuerlichem Englisch. Abwechslungsreicher Sixties-Ska und Rock Steady, energische Solisten, ein paar Latin/Calypso-Einflüsse sowie eine feine Reggae-Version von Astor Piazollas „Libertango“ machen das Album zu einer runden Sache. Siggi Seidel ist Hannoveraner und seit vielen Jahren nicht nur als Ska- und Reggae-DJ bekannt, sondern auch als Moderator einer lokalen Sendung bei Radio Flora, die keinerlei Scheu vor stilübergreifenden Musikmixen hat. Alles, was interessant ist und sich irgendwie auf die Wurzeln der Musik Jamaikas und des Soul zurückführen lässt, wird dem geneigten Hörer per Volksempfänger nähergebracht. „Blue Beat In My Soul“ heißt die Sendung, und da sicher nicht jeder in der Niedersächsischen Hauptstadt wohnt und sie über den Äther empfangen kann, gibt es nun zwei vom Chef selbst kompilierte CDs unter gleichem Titel. 14 respektive 18 Titel finden sich auf dem Erstling bzw. dem Nachfolger „The Second Step“ (Nasty Vinyl / SPV) wieder. Mit dabei sind bekannte und weniger bekannte Bands, Geheimtips und echte Knaller. So zum Beispiel das Lübecker Deejay-Urgestein Rudy Willy, deutsche Acts von Trad- bis Pop-Ska wie die Calamities, Ska-Trek, Schwarz auf Weiss und Dubplate 48, die Briten von Intensified und den Bakesys, Go Jimmy Go aus Hawaii, Corey Dixon aus dem mittleren Westen, Kalle‘s Kaviar aus der Schweiz und viele andere mehr. Eine gute und unorthodoxe Übersicht des aktuellen Geschehens in der Ska-Welt. Jenseits der Pyrenäen tut sich wie immer auch wieder viel – eine weitere katalanische Band hat das Licht der CD-Regale erblickt: Lord Kaya & the Kinky Coo Coo‘s – Co Tonga Tonga (Liquidator). Bei der jungen elfköpfigen Gruppe aus Barcelona steht traditioneller Sixties-Ska auf dem Programm, und bis auf den Opener „Black Station“ befinden sich ausschließlich Coverversionen alter Klassiker auf dem Silberling. Was Live sicherlich gut funktionieren mag, ist leider auf dem Tonträger ziemlich unspannend. Viel zu clean abgemischt, dabei aber oft zu rumpelig und verkrampft gespielt, und ein Sänger, dem man sein großes Vorbild Desmond Dekker wohl anmerkt, der sich aber leider bei allem Tremolo in der Stimme wohl nicht so richtig die Mühe gemacht hat, die Texte der Stücke ordentlich rauszuhören bzw. die entsprechenden Internetseiten aufzusuchen. So gibt es jede Menge Kauderwelsch-Versionen von eigentlich schönen Liedern – von Toots & the Maytals‘ „54-46“ bis hin zu Monty Morris „Oil In My Lamp“ und Bob Marleys „Redemption Song“. Schade, diese Platte klingt fast wie eine Parodie, obwohl die Band komplett aus hartgesottenen Fans des traditionellen Jamaika-Ska besteht... Was Geht? Que Pasa? Das ist der Titel des Albums der Berliner Allstarkapelle „Wood In Di Fire“ (eine Reminiszenz an den Sänger Jackie Opel), und dieses feine Teil ist ein wahrer Lichtblick! Jazz-Ska, Reggae, Rock Steady, Latin, gespielt von (Ex-) Mitgliedern von The Special Guests, Mother‘s Pride und Ska-T, sehr versiert, sehr erwachsen, mit dem richtigen Händchen für die Songauswahl, und vor allem mit dem richtigen Handwerkszeug, die Musik auch so zu spielen, wie es sich gehört! Der Titeltrack, eine Komposition von Horace Silver, bringt eine schöne Mischung aus Burru und Surf, die Reggaeversion von Kenny Burrells „Loïe“ ist so schön ergreifend, dass man heulen möchte, Toasting-Einlagen gibt es bei „Chalice Haffi Bun“ – natürlich über dem unsterblichen „Real Rock“-Riddim, Ein tolles „Mellow Mood“... ich komme aus dem schwärmen nicht mehr heraus... Für Vinylfreunde hat die Band übrigens vor kurzem auch eine 7“Single mit einer Coverversion des Punk-Songs Jah War (ja, von „The Ruts“) herausgebracht. Leider gibt es für die Veröffentlichungen noch keinen Vertrieb, muss man eben ein bisschen suchen, kaufen und toll finden! Die meisten Ska-Titel bekommt man übrigens beim Moskito Mailorder (www.grover.de)Postfach 307148016 Münster |
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