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  Text von Alexander Birk  
 

Man wundert sich bisweilen wirklich, warum offensichtliche musikalische Paarungen viel seltener eingegangen werden, als auf der Hand liegt. Damals, als der Ska erfunden wurde, mixte man Jazz, Rhythm and Blues und Latin. Wenig Latin, trotz der Nähe von Kuba zu Jamaika. Zwar nahmen sich die Skatalites in den Sechzigern hin und wieder der Kompositionen von Benny Moré, Mongo Santamaria und Rafael Hernández an und verpassten ihnen erfolgreich eine rhythmische Geschlechtsumwandlung, aber das war es auch schon. Dabei blieb es dann auch lange Zeit, denn kaum eine Band hatte in den darauf folgenden Jahrzehnten Lust, die Stile Ska und Latin anspruchsvoll zu verquicken wenn man mal von wenigen Ausnahmen wie „Jump With Joey“ oder „Yeska“ von der nordamerikanischen Westküste absieht. Nun wird alles anders, denn wir haben „Ska Cubano“! Interessanterweise startete dieses Projekt in London – Peter Scott vom Label „Casinosounds“ und Natty Bo der Londoner Ska Band „Top Cats“, die neben Ska auch eine große Schwäche für die schätze Kubas haben, traten mehrere Trips nach Santiago de Cuba an und leisteten dort Entwicklungshilfe in Sachen karibische Klänge. Klingt pervers, ist aber so. Weniger pervers klingt das Ergebnis: Ska wurde etabliert, eine Ska-Szene entwickelte sich, und aus der Speerspitze der besten Bands der Insel gründete sich diese Supergroup. Auf diesem Album finden sich ganze 16 Tracks wieder, die das Beste aus beiden Welten vereinigen: herrlich groovender Ska der alten Schule, veredelt mit den technisch anspruchsvollen Bläsersätzen und Percussions, die man von Salsa-Ensembles liebt, und natürlich tollen Chor-Arrangements. Spanisch und Englisch wird gesungen, dazu soliert, dass es eine Freude ist. Wem der Buena Vista Social Club zu lasch ist und der Knuffta-Knuffta-Ska zu schrill, der muss die CD haben. Aber auch sonst jeder!

Aus der Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika und benannt nach entweder ihrer Zeitzone oder einer Skatalites-Komposition gibt es was Neues: Eastern Standard Time – Tempus Fugit (Grover Records/SPV). Kürzlich noch live zu erleben (sowohl mit ihrem vor wenigen Monaten erschienenen Live-Album als auch zu Jahresanfang auf ausgedehnter Europa-Tournee) gibt es auch den neuen Tonträger im Gepäck. „Tempus Fugit“ ist Latein und heißt „Die Zeit Flieht“, aber eilig haben die Amis es hier nicht. Entspannt und eher „gedeckt“ sind die Klänge, immer ruhig die Jazz-Ska-Fahne schwenkend. Latein(amerikanisch) ist ansonsten nur noch ein Lied auf der CD: „Besame“ (ohne „mucho“!!!) als Reminiszenz and die spanischsprachigen Fans, Rock Steady, Reggae, Instrumentale Kracher, ein erdiger Sound, souliger Gesang, Musikalität auf hohem Niveau, und zu einem Stück gesellt sich noch ein Veteran der deutschen Ska- und Reggaeszene mit Deejay-Style dazu, und dann gibt es noch ein witziges Accapella-Lied. Vergleicht man das Album mit seinen Vorgängern, so ist dies vielleicht ein bisschen mehr der Regentag unter den sonst sonnigen Veröffentlichungen der Kapelle. Gut so!

Noch mal Hauptstadt, aber diesmal unsere: Various Artists – Hauptstadt SKA (Skaro Records/Buschfunk) heißt die Kompilation, die gar nicht mehr aus dem CD-Player raus will. 16 Bands aus einer Stadt – da muss doch zwangsläufig viel Mist dabei sein, denkt da der versierte Rudeboy und Vorstadtkritiker... „Nichts Da!“ ruft ihm dieser Sampler mit einer saftigen Ohrfeige entgegen! Alles toll! Drei Generationen an Ska-Bands geben sich auf über einer Stunde Programm ein Stelldichein, mit dabei die dienstälteste noch existierende Gruppe Yebo (mit 25 Jahren auf dem gar nicht mal krummen Buckel). Aber auch die Ruffians, die Butlers und ihre Reinkarnation, der „Lions Club“ sind mit von der Partie, dazu das Skatoon Syndikat, Engine 54 und Mother’s Pride und und und. Auch einige frische Namen, die auf diese Art und Weise nun auch mal über die Grenzen ihrer Spree-Insel hinausschnuppern und beschnuppert werden können. Abwechslungsreicher geht es kaum: Punk, Jazz, Westcoast-Groove, Two-Tone, Rockabilly, Gesang auf deutsch (überraschend viel) und englisch... ein liebevoll gestaltetes dickes Booklet. So was hätte es aus Bonn nicht gegeben...

Eine Band auf der Kompilation hat vor kurzem ein Album veröffentlicht. Tiefenrausch – Heut’ Ist Alles So Perfekt (Skaro Records/Buschfunk) bringt elf Titel der vielköpfigen Berliner Truppe. Deutsche Texte zu ausgefallene Themen, so, wie der Schnabel gewachsen ist („Ein Döner, ein Döner, macht das Leben schöner!“) und treibende Rhythmen, zuweilen rockig-poppig, Erinnerungen an „El Bosso & die Ping Pongs“ werden wach. Wo sonst kann man Schmunzeln und Tanzen? Die trauen sich was, und das macht Spaß. Vom spielerischen her manchmal etwas ungestüm, aber dadurch umso frischer setzen Tiefenrausch zum Höhenflug an. Bald werden sie durch die Republik touren – sollte man sich antun.

Schon lange dabei und nicht totzukriegen, liegt es am karibischen Zauber? Skaos – Pocomania (Ska-Revolution Records/Soul Food) bringt Ska vom feinsten. Die bayerischen Recken sind auch schon seit den achtziger Jahren dabei und beglücken vor allem die Freunde der härteren Gangart. Fetteste Bläsersätze, rockige Rhythmen, satte Produktion, unglaublich gut eingefangene Atmosphäre – das schafft man wohl nur, wenn man genau weiss, wo der Hammer hängt. Pocomania ist ein Kult aus der Karibik, und Kult sind Skaos auch, was sie mit diesem Album eindrucksvoll untermauern. Das Label ist übrigens das der „Busters“, da Pork Pie seit kurzem leider nicht mehr existiert. Unter Kollegen hilft man sich gerne. Mal sehen, was es von dort noch in Zukunft zu hören gibt.

So langsam wird es peinlich, und man mag mir Voreingenommenheit vorwerfen, doch die neueste CD von Open Season – Hot and Fire (Leech Records/Soundpollution) ist mal wieder ein Fest für die Sinne. Diese Schweizer wissen, wie man den Fachmann zum Staunen und den Laien zum Skanken bringt! Erstklassig gespielte und erstklassig produzierte Songs – das klingt nun gar nicht nach beschaulichem Bergvolk. Umso besser: es groovt, das Songwriting lässt das Herz hüpfen, die Arrangements sind liebevoll umgesetzt, es wird nie langweilig, poppige Hooklines, ohne das es swiss-cheesy wird. Freunde von Slackers, Hepcat, Madness, Swing, Calypso, Reggae, Funk, Dancehall, herrlicher Atmosphäre und allem was lieb und heilig ist, werden hier auf ihre Kosten kommen. Wenn Open Season noch mal ein Album rausbringen –wie wollen sie es steigern. So, jetzt hör ich schon auf – muss tanzen!!!

 
     
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Text von Alexander Birk

Dieser Artikel erschien in RIDDIM 02/05

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