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  Text von Alexander Birk  
 

ROTTERDAM SKA JAZZ FOUNDATION

SUNWALK

(Grover Records/SPV)

Unsere Lieblingsholländer lassen nach einer düster geratenen EP nun wieder mit einem Fulltime-Album die Sonne aufgehen. In erneuerter, frischer Besetzung präsentieren die acht Musiker ganze elf Tracks, in denen es vor Spielfreude nur so strotzt. Vier Bläser sorgen für satte Arrangements und Soli auf hohem Niveau, darüber hinaus zeichnen zwei von ihnen, die beiden Bijleveld Brüder Sybren (Saxofone) und Arjen (Posaune) für einen Großteil der Eigenkompositionen verantwortlich, die knapp die Hälfte des Programms von „Sun Walk“ ausmachen. Die andere Hälfte besteht aus gelungenen Coverversionen und Reprisen von Jazz- und Ska-Stücken, die sowohl Kenner als auch Laien aufhorchen lassen dürften – von Charlie Parkers „Yardbird Suite“ über „Chinatown“ und „Life Wire“ der Skatalites bis hin zu Benny Golsons „Blues March“ ist hier anspruchsvolle wie leichte Kost vertreten, immer versehen mit einem groovenden und mal schweißtreibenden, mal entspannten Offbeat. Der wird von der perfekt harmonierenden Rhythmusgruppe aus Schlagzeug, Bass, Gitarre und wummernder Orgel respektive Klavier swingend auf den Punkt gebracht. Eingespielt wurde das gute Stück in nur drei Tagen im Januar, und zwar „Live“ im Studio. Das bedeutet, dass alle Musiker gleichzeitig, wie bei einer Jamsession, miteinander im Aufnahmeraum ihren Sound auf das Tonband bringen, und nicht, wie heutzutage eigentlich üblich, nacheinander. Auf diese Art und Weise wird ein sehr lebendiger Klang erzeugt, der sicherlich Platz für Fehler lässt (die man auf diesem Album allerdings nicht finden wird), der aber auch jede Menge Atmosphäre einfängt und kreativen Fluss zulässt. Für das passende Flair sorgte darüber hinaus Max Bollemann, Jazzfreaks sicherlich als Produzent Internationaler Veröffentlichungen bekannt.Diese Band muss man live erleben, und mit diesem neuen Werk kann man sich das größtmögliche Live-Erlebnis auf die heimische Stereoanlage holen. Zu den Konzerten geht’s trotzdem auch, versprochen?

Schönes gibt es auch aus deutschen Landen: The Fishhedz – „Love ’n Crime“ (www.fishhedz.de). Während der Name schon darauf hinweist, dass es sich bei der noch nicht ganz so bekannten Combo um eine Band aus der Nordhälfte unserer Republik handelt, sei dem wissbegierigen Leser mitgeteilt, dass die siebenköpfige Besetzung aus Köln bald noch mehr von sich reden machen wird. Sehr überzeugend kommt das Machwerk daher, und lässt der englischsprachige Gesang keinen Zweifel daran, dass es sich bei diesen Fischköpfen um unsere Landsmänner und –frauen handelt, zeigen sie sich in ihren Kompositionen, in ihrer Spielweise und vor allem ihrem Sound eher im Schwung der jungen alternativen New Yorker Ska-Bands. So gibt es denn also ruppige, erdige Klänge, wie man sie von den Slackers, den Version City Rockers oder auch Victor Rice kennt –groovig, naturbelassen und mit Dub-Effekten als festem Bestandteil ihrer Präsentation. Abgemischt wurde das Album von Ekki Maas, der unter anderem durch seine Produzentenarbeit für die Doktoren Calypso und Ring-Ding in der Ska-Welt bekannt ist und der mit herrlich unorthodoxen Methoden die Musik geschmackvoll in neue Sphären schickt. Die neun Stücke – ein Großteil davon instrumental – beweisen Liebe und Spaß zum, beim und mit dem Ska. Sehr gelungen die Adaption von Frank Zappas „I’m The Slime“, ein antifaschistisches Statement in „Say No“, ein augenzwinkerndes „Temple of Skaolin“ und ein total beklopptes „Speedfucker“… Musik zum Schmunzeln und Tanzen!

Aus Schweden kommen nicht nur diverse Filme mit Auszeichnungen von „meisterhaft“ bis „hierzulande verboten“, sondern auch (mindestens) eine fantastische Band, die um Weihnachten herum im Rahmen der „Skanking ’Round The X-mas Tree“-Tournee in Deutschland zu bewundern war. Eine CD mit fünf Tracks hatten sie mit im Gepäck, und die ist toll! The Bustups – „They’re Airborne“ (Step Aside Records) bietet feinsten Two-Tone-Ska, so, wie er sein soll. Treibend, flott, mit ordentlichem Bläsersatz und klasse Gesang, und zwar weiblichem. Die drei Mädels und drei Jungs der Bustups bringen mit dieser runden Produktion sehr sympathisch poppige Songs auf den Plattenteller, die schon Lust auf das kommende Album machen.

Keinen so großen Fleck auf der Ska-Weltkarte nimmt Luxemburg ein – ist sicherlich vor allem geographisch bedingt. Nun meldet sich von dort ein Zehner zu Gehör: Kunn And The Magic Muffins – „Got Ska?“ (Winged Skull Records) setzen bei ihrem Debütalbum vor allem auf Vielseitigkeit. Reich instrumentiert, Gesang auf Italienisch, Französisch und Englisch, ein kunterbuntes Stilgemisch aus Ska und Reggae, angereichert mit Elementen aus Dub, Dancehall, Calypso, Latin, Swing und und und… was in diesem Falle aber leider bewirkt, dass alles doch ein bisschen zu sehr zerfahren und unstrukturiert um die Ecke kommt, zumal nicht wirklich all diese Stile gleich souverän dargeboten werden, ab und an wird hier mitunter jenseits der Leistungsgrenze gejammt. Mit der Hälfte der Ideen und ein bisschen mehr Handwerkskunst wäre es vielleicht richtig schön geworden.

Und zum Abschluss noch mal Ska-Jazz, diesmal aus Nürnberg. Papa Skaliente – „Skajazz“ (Bibiafrica) heißt die CD, die in diesen Tagen das Licht der Welt erblickt, und die ist kein Kind von schlechten Eltern. Zunächst einmal sollte man vielleicht erwähnen, dass diese Platte den Weltmusikfan sicherlich mehr begeistern dürfte als den trinkfesten Rebellen, der den passenden Soundtrack zum subkulturellen Lifestyle sucht. Wer aber ein offenes Ohr für Jazz, Afro- und Latin Sounds jenseits des Mainstream hat wird hier voll auf seine Kosten kommen. 14 Stücke, neben eigenen Nummern munter gecovert von Skatalites und New York Ska Jazz Ensemble über Thelonius Monk und Nat Adderley bis hin zu Led Zeppelin (!) und Willie Dixon. Bandleader, Komponist und Saxophonist Achim Goettert, Urgestein seiner lokalen Jazzszene, hat hier wirklich feine Arrangements aufs Tapet gebracht, vor allem die hervorragend gespielten Sätze mit zwei Saxophonen und Geige bringen eine bisher nur selten gehörte Frische. Nicht jedermanns Sache mag die hohe Frequenz der Vokal-Einlagen von „Poppa Double U“ sein, die in einigen der Tracks eher als Fremdkörper wirkt – jedenfalls auf einem Studioalbum. Aber wenigstens hat er bei seinen Texten von den Besten geklaut…

Die meisten Ska-CDs bekommt man bei Moskito Mailorder (www.grover.de)

 
     
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Text von Alexander Birk

Dieser Artikel erschien in RIDDIM 03/05

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